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Selbstverteidigung / Hosinsul

Eins der wohl interessantesten und von meinen Schülern, neben dem Freikampf beliebtesten Elemente des Taekwon-Do ist Hosinsul, die effektive Selbstverteidigung.
Die Möglichkeit, sich aus gegnerischen Griffen zu befreien oder einem Angriff adäquat zu antworten bietet ein sehr großes Spektrum an Techniken und Abwehrmöglichkeiten. Natürlich ist es gut, so viel Techniken wie möglich zu beherrschen, wichtiger ist es allerdings, wenige Techniken ABSOLUT SICHER anwenden zu können. Gerade in der Situation eines Angriffs, muss die Abwehr instinktiv erfolgen, d.h. man sollte sich nicht erst eine Technik überlegen, sie sollte ausgeführt sein, bevor man noch darüber nachgedacht hat. Deshalb gilt auch im Hosinsul die Regel „Weniger ist oft Mehr“.

Nachfolgend werde ich einige der Techniken des Hosinsul aufführen, um einen kleinen Einblick zu geben. Jedoch kann eine Technik nur dann beherrscht werden, wenn sie immer und immer wieder geübt und perfektioniert wird.

Mit einigen Beisielen hier will ich eine erste Auswahl von Techniken zeigen. Und dies ab Beispiel von:

  • Angriff von vorn
  • Haltegriffe am Armgelenk

Angriff von vorn:
Der Angreifer kommt von vorn und will eine Fausstoss mit der rechten Faust zu Kopf ausführen:

Erste Variante (für 10. Kup)
Nach rechts ausweichen in den Kima-Sogi.
Ist der Angreifer auf gleicher Höhe, wird mit dem linken Bein ein Doljo-Chaigi zum Solar-Plexus ausgeführt.

Zweite Variante (für 8. – 2. Kup)
Nach links ausweichen. Dabei wird der linke Fuß an dem Angreifer vorbei hinter der Hüfte abgesetzt. Mit der linken Handfläche wird der angreifende Arm des Gegners in Höhe des Ellenbogens abgeblockt.
Als Konter wird nun der rechte Handballen auf den K.O.-Punkt unterhalb des Kinns gestossen und dabei gedreht.
Anschließend den rechten Fuß hinter dem Angreifer absetzen.
Mit dem rechten Arm eine „Bahnschranke“ (leicht gebeugter Innen- und Außenarm) zum Hals des Gegners ausführen und ihn über das rechte Bein aus dem Gleichgewicht und zu Boden bringen.

Dritte Variante (ab 1. Kup)
Dem Angreifer mit einem Chongul-Sogi (rechter Fuß vorn) entgegen gehen. Mit links erfolgt eine Yok-Sudo-Makki.
Mit rechts einen Palkup-Tulki zur Schläfe oder zum Kehlkopf ausführen.

Haltegriffe am Armgelenk

1) Der Angreifer hält mit beiden Händen den rechten Arm.

Variante (alle Kup´s)
Liegen die Daumen des Angreifers übereinander: Den Daumen der festgehaltenen Hand mit der anderen Hand ergreifen und in einer schnellen, kraftvollen Bewegung nach oben reissen.

Liegen die Daumen des Angreifers nicht übereinander: Mit der linken Hand unter die festgehaltene Hand fassen. In einer Bogenbewegung nach links die rechte Hand reissen. Ist der Griff gelöst, sofort mit der linken Hand auf den Ellenbogen des Gegners drücken und ihn so in einen Haltegriff bringen

2) Der Angreifer hält mit der rechten  Hand das rechte Handgelenk umklammert
Erste Variante
Der rechte Fuß des Verteidigers steht hinten. Der Verteidiger spreizt die Finger und lässt sie gespreizt. Er versteift den rechten Arm und führt einen Tritt mit dem rechten Fuß gegen das Schienbein des Gegners aus (Ablenkung) und setzt den Fuß hinten schnell wieder ab.
In einer fließenden Bewegung zieht der Verteidiger den rechten Arm kurz nach außen, so dass der Gegner einen Gegendruck ausführt. Diese Bewegung des Gegners nutzt der Verteidiger aus und drückt den rechten Arm vor den Bauch. Der Verteidiger dreht seinen Arm, so dass der Daumen zum Bauch zeigt. Durch die Drehung des Armes wird die schmale Seite des inneren Unterarmes des Verteidigers zwischen dem Daumen und Zeigefinger der gegnerischen Hand herausgedreht. Gleichzeitig dreht der Verteidiger die Hüfte nach rechts hinten, der Griff des Gegners wird so gelöst und  er fasst mit seinen Fingern von oben das Handgelenk des gegnerischen Armes und hält es fest.
Der Verteidiger fährt mit der Handfläche des linken Armes über den Unterarm des Gegners bis zum Ellenbogen, die rechte Hand des Verteidigers dreht den Arm des Gegners so, dass der Ellenbogen nach oben zeigt. Mit dem linken Arm drückt der Verteidiger auf den Ellenbogen des Gegners, führt die Bewegung weiter nach hinten unten aus und bringt den Gegner mit diesem Hebel zu Boden.
Der Verteidiger fixiert den Gegner so am Boden, oder er löst sich vom Gegner, entfernt sich und nimmt die Kampfstellung ein.

Zweite Variante:
Der rechte Fuß des Verteidigers steht hinten. Der Verteidiger spreizt die Finger und lässt sie gespreizt. Er versteift den rechten Arm und führt einen Tritt mit dem rechten Fuß gegen das Schienbein des Gegners aus (Ablenkung) und setzt den Fuß hinten schnell wieder ab.
In einer rückartigen fließenden Bewegung reißt der Verteidiger den rechten Arm nach oben und gleichzeitig bewegt er sich ruckartig nach hinten, bis eine Schnappbewegung in der Hand des Gegners stattfindet.
Tritt die Schnappbewegung ein, so bewegt der Verteidiger seinen Körper mittels Ausnutzung dieser Schnappbewegung nach vorn und knickt den Unterarm ein und schiebt den Ellenbogen gerade nach vorn, so dass der Griff des Gegners gelöst wird. Anschließend führt der Verteidiger einen Faustrückenschlag zum Kopf des Gegners aus.

3) Der Gegner greift mit der linken Hand die rechte Hand des Verteidigers am Handgelenk:
Erste Variante:
Der rechte Fuß des Verteidigers steht hinten. Der Verteidiger spreizt die Finger und lässt sie gespreizt. Er versteift den rechten Arm und führt einen Tritt mit dem rechten Fuß gegen das Schienbein des Gegners aus (Ablenkung) und setzt den Fuß hinten schnell wieder ab.
In einer fließenden Bewegung drückt der Verteidiger den rechten Arm kurz nach außen, so dass der Gegner einen Gegendruck nach innen ausführt. Diese Bewegung des Gegners nutzt der Verteidiger aus, dreht den Arm in die Horizontale, so dass der Handrücken nach oben zeigt und schiebt gleichzeitig mit einer Hüftdrehung den Arm horizontal in die Mitte der beiden Körper. Durch die Drehung des Armes wird die schmale Seite des inneren Unterarmes des Verteidigers zwischen dem Daumen und Zeigefinger der gegnerischen Hand herausgedreht.
Sobald der Griff des Gegners gelockert ist, es muss noch Kontakt zu der gegnerischen Hand bestehen, greift der Verteidiger mit der linken Hand den Daumen und die Daumenwurzel der Hand des Gegners von oben. Der rechte Arm des Verteidigers wird gelöst und über den linken Arm geführt. Gleichzeitig geht der Verteidiger mit dem rechten Bein einen Schritt vor und stellt das rechte Bein hinter den Gegner. Mit einem Ellenbogenstoß zur Brust des Gegners bringt der Verteidiger den Gegner über das Bein zu Fall.

Zweite Variante:
Der rechte Fuß des Verteidigers steht hinten. Der Verteidiger spreizt die Finger und lässt sie gespreizt. Er versteift den rechten Arm und führt einen Tritt mit dem rechten Fuß gegen das Schienbein des Gegners aus (Ablenkung) und setzt den Fuß hinten schnell wieder ab.
In einer fließenden Bewegung drückt der Verteidiger den rechten Arm kurz nach außen, so dass der Gegner einen Gegendruck nach innen ausführt. Diese Bewegung des Gegners nutzt der Verteidiger aus und führt seinen eigenen Arm in einer Kreisbewegung von unten nach innen, nach oben außen, mit einer Hüftdrehung nach hinten. In der Endstellung sieht der Verteidiger in die eigene Handfläche, der Arm hat einen 90 Grad Winkel. Durch die Drehung des Armes wird die schmale Seite des inneren Unterarmes des Verteidigers zwischen dem Daumen und Zeigefinger der gegnerischen Hand herausgedreht.
Sobald der Griff des Gegners gelockert ist, es muss noch Kontakt zu der gegnerischen Hand bestehen, greift der Verteidiger mit der linken Hand den Daumen und die Daumenwurzel der Hand des Gegners von unten. Der rechte Arm des Verteidigers wird gelöst. Der Verteidiger hält mit links die Hand des Gegners fest, dreht seine recht Hand und fasst von der Kleinfingerseite die Handfläche des gegnerischen Armes, so das beide Daumen des Verteidigers sich auf dem Handrücken der Hand des Gegners berühren. Den Arm des Gegners dreht der Verteidiger nach außen und drückt den Arm des Gegners gleichzeitig mit einer Körperdrehung nach rechts unten (hinten). Durch diese Drehbewegung entsteht ein Gelenkhebel, der den Gegner zu Fall bringt.

Dritte Variante:
Der rechte Fuß des Verteidigers steht hinten. Der Verteidiger spreizt die Finger und lässt sie gespreizt. Er versteift den rechten Arm und führt einen Tritt mit dem rechten Fuß gegen das Schienbein des Gegners aus (Ablenkung) und setzt den Fuß hinten schnell wieder ab.
In einer fließenden Bewegung schiebt der Verteidiger den rechten Arm (neben dem Körper) gerade nach unten und dreht den Arm, das die Handfläche nach hinten zeigt. Das Handgelenk beugt er zum Unterarm und krümmt den Arm dabei leicht mit, so als würde er ein Fass unter den Arm nehmen. Dadurch lockert sich der Griff des Gegners. Mit einer Hüftdrehung nach hinten dreht der Verteidiger den Arm nach rechts, so das die Handfläche außen neben der gegnerischen Hand sichtbar ist. Nun zieht der Verteidiger seinen Unterarm zum Oberarm und führt den Unterarm dadurch in einem Kreisbogen von unten außen nach oben innen. Dabei dreht der Verteidiger gleichzeitig die Hüfte wieder nach vorn. Ist der Arm oben am Scheitelpunkt angekommen, so drückt der Verteidiger den Arm des Gegners nach unten und löst somit den Griff.
Solang nach Kontakt besteht, greift der Verteidiger mit seiner linken Hand von unten die Hand des Gegners auf dem Handrücken und hält die Hand fest. Der Verteidiger befreit den rechten Arm und fährt mit der Handfläche über den Unterarm des Gegners bis zum Ellenbogen, die linke Hand des Verteidigers dreht den Arm des Gegners so, dass der Ellenbogen nach oben zeigt. Mit dem rechten Arm drückt der Verteidiger auf den Ellenbogen des Gegners und bringt diesen mit diesem Hebel zu Boden.
Der Verteidiger fixiert den Gegner so am Boden, oder er löst sich vom Gegner, entfernt sich und nimmt die Kampfstellung ein.