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Philosophie

Taekwon-Do, die koreanische Kampfkunst, wird beim TV Voerde seit 1999 betrieben. Dabei steht nicht das Kämpfen, sondern neben der körperlichen Fitness vor allem Stärkung des Teamgeistes und Erlangen von Selbstdisziplin und Selbstwertgefühl im Vordergrund. Aus diesem Grund legt die Abteilung nur einen untergeordneten Wert auf sportliche Erfolge. Dabei gilt das olympische Prinzip: nicht zu siegen, sondern dabei-zu-sein. „Der Weg ist das Ziel“ ist die Maxime und wird in dieser Form unterrichtet.

I. Die Gruppenerfahrung

Dass Kampfsport eine therapeutische Wirkung hat, steht nach den Erfolgen von mehreren Untersuchungen (s. Bürgerstiftung Hamburg) außer Frage. Nachweislich wird von Psychologen und Familientherapeuten eine Teilnahme am Kampfsporttraining für auffällige Kinder und Jugendliche empfohlen.

In unserer Gruppe trainieren mehrere Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten. Wichtigster Aspekt in der Verhaltenstherapie, die ich mit dem Training betreibe, ist die Erfahrung, dass im Kampfsport nicht das Individuum, sondern die Gruppe zählt. Zu sehen, dass auch andere komplexe Bewegungsabläufe nicht sofort hinbekommen, nimmt die Angst vor Fehlern und schafft einen Raum jenseits des Leistungsdrucks, in dem auch der Schwächste seine Stärken zeigen kann. Im Zuge der Gruppendynamik ist es bei den, bei uns trainierenden Jugendlichen gelungen, diese in die Gruppe zu integrieren und durch das Training nachweislich Erfolge gerade im sozialen Bereich zu erzielen. Gerade im Kampfsport hört das Training nicht mit dem Umziehen auf, sondern wird in das Familienleben mit hineingezogen. Der Trainer wird zum Ansprechpartner auch bei sozialen Problemen. Im Zuge der Familienarbeit hat sich eine Selbstverteidigungsgruppe für Frauen gebildet, die hauptsächlich aus Müttern der im Kindertraining trainierenden Kinder zusammensetzt.

Mittlerweile wird die Budo-Abteilung von Ärzten, Psychologen und Familientherapeuten auch über Voerde hinaus empfohlen (1 Mitglied ist in Moers wohnhaft).

II. „Kämpfe um nicht kämpfen zu müssen“

Die Vermittlung von Kampfsport führt zwangsläufig auch zur Konfrontation mit Gewalt. Hierzu sind während des Trainings auch Vermittlung von Grenzsituationen nötig, die eine teil-theoretische Gewaltprävention erfordern.

In Rollenspielen versuchen wir, Gewaltsituationen zu simulieren, dabei werden uns oft von den Kindern und Jugendlichen erlebte Situationen geschildert. Neben der Vermittlung von Selbstverteidigung können die Jugendlichen so unter Anleitung diese Situationen noch einmal erleben und durch die Beschäftigung mit mehreren Lösungsmöglichkeiten – auch nicht kampfsporttypischer – diese verarbeiten.

Die Maxime „Kämpfe um nicht kämpfen zu müssen“ ist bei der Selbstverteidigung Programm. Mit dem Wissen, dass man sich außerhalb des Trainings nicht beweisen muss – dies versuchen wir den Jugendlichen nachdrücklich näher zu bringen – lernen die Jugendlichen, Konfliktsituationen weitgehend aus dem Weg zu gehen. Dabei hilft auch das Wissen um die eigenen Stärken und die Selbstbehauptung, die zu den primären Vermittlungsinhalten des Trainings gehört.

III. Die Prinzipien des Taekwon-Do

Das traditionelle Taekwon-Do beruht auf 5 Grundprinzipien:

HÖFLICHKEIT (YE UI)

Taekwon-Do – Schüler sollten sich zusätzlich zur Etikette in folgenden Punkten üben:

1. Sie sollten den Geist gegenseitiger Zugeständnisse fördern.
2. Sie sollten sich der eigenen Schwächen bewusst sein, ehe sie die Fehler der anderen verachten.
3. Sie sollten höflich zueinander sein.
4. Sie sollten den Gerechtigkeitssinn fördern.
5. Sie sollten zwischen Lehrern und Schülern, zwischen erfahrenen und weniger erfahrenen Schülern einen Unterschied machen.

INTEGRITÄT (YOM CHI)

Im TKD-Sprachgebrauch ist der Begriff der Integrität lockerer definiert als es in einem Wörterbuch der Fall ist. Er bezeichnet die Fähigkeit, Recht und Unrecht unterscheiden zu können und genügend Gewissen zu haben, um sich schuldig zu fühlen, wenn man ein Unrecht begannen hat.

DURCHHALTEVERMÖGEN (IN NAE)

Ein Sprichwort aus dem fernen Osten besagt, dass “ Geduld zur Tugend bzw. zu Verdienst führt „. “ man kann dadurch ein friedliches Heim schaffen, dass man hundertmal Geduld übt „. Ohne Zweifel hat es ein geduldiger Mensch leichter, zu Glück und Wohlstand zu kommen. Um irgendwas zu erreichen, sei es eine höhere Stufe oder die Vervollkommnung einer bestimmten Technik, muss man sich ein Ziel setzen und dieses dann mit Beständigkeit anstreben.

SELBSTDISZIPLIN (GUK GI)

Dieser Grundsatz ist von außerordentlicher Bedeutung sowohl innerhalb wie auch außerhalb des DoJang, ob es nun um Freistilsparring oder persönliche Angelegenheiten geht. Der Verlust der eigenen Kontrolle kann sich beim Freistilsparring verhängnisvoll für den Schüler und seine Gegner auswirken. Die mangelnde Fähigkeit, im Rahmen des eigenen Könnens bzw. innerhalb der eigenen Grenzen zu leben und zu handeln, ist ebenfalls ein Beweis für fehlende Selbstdisziplin.

UNBEZWINGLICHKEIT (BEAKJUL BOOLGOL)

Ein ernsthafter Schüler des Taekwon-Do wird jederzeit bescheiden und ehrlich sein. Wenn er es mit Ungerechtigkeit zu tun hat, wird er der streitbaren Partei ohne Furcht und ohne Zögern gegenübertreten, er wird dabei ohne Ansehen der Person oder Zahl der Gegner einen unbezwingbaren Kampfgeist an den Tag legen.

IV. Leistungsorientierung

„Immer einen Schritt weitergehen als man vorher glaubte gehen zu können“. Nicht das Erlangen von Pokalen, sondern die disziplinierte Selbstüberwindung ist die Messlatte mit der wir die Mitglieder messen. Wichtiger als jeden Gegner zu besiegen ist es, sich selbst zu überwinden. Daher wird nicht in erster Linie für Turniere, sondern für den eigenen Erfolg trainiert. Leistungsdruck erfahren die Jugendlichen in der Schule und im täglichen Alltag unserer Meinung genug. Deshalb soll das Training ein Raum sein, indem Erfolge nicht mit der Stoppuhr oder durch Kampfrichterentscheidung, sondern durch Selbstzufriedenheit gemessen wird. Nach jedem Training lassen wir abstimmen, ob jeder wirklich sein maximales Potential gegeben hat, oder nicht.

V. Entwicklung der Budo-Abteilung

Mittlerweile trainieren 145 Jugendliche und Kinder in der Budo-Abteilung. Dabei bekommt zur Zeit die Kinderabteilung (6-10 Jahre) den größten Zulauf. Bei dieser Zielgruppe ist natürlich die Chance zur außerschulischen Sozialisation am höchsten. Aus Sonderschulen und Kinderheimen haben wir bereits Anfragen, um weitere auffällige Kinder zu betreuen.

VI. Der Taekwon-Do-Eid

Das Training der Budo-Abteilung richtet sich nach den Prinzipien des Taekwon-Do und folgt dem sogenannten „Taekwon-Do-Eid“:

* Ich werde dies Prinzipien des Taekwon-Do achten
* Ich werde den Lehrer und die höheren Grade respektieren
* Ich werde Taekwon-Do niemals mißbrauchen
* Ich werde für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfen
* Ich werde für eine friedvolle Welt eintreten

Gerade auch im Kontext der verheerenden Anschläge vom 11. September 2001 ist es wichtiger denn je, das Zusammenwachsen verschiedenster Kulturen und Nationalitäten zu fördern. Im Taekwon-Do gilt weder Hautfarbe, Geschlecht noch Nationalität. Für diesen Grundsatz stehen wir ein und geben es unseren Schülern weiter. In unserer Abteilung trainieren Jugendliche aus allen Kulturen und Nationalitäten. Seit mehreren Jahren besteht eine enge Kooperation mit türkischen Vereinen, mit denen wir uns mehrmals jährlich zu Turnieren treffen und Lehrgänge abhalten.

Holger Mrosek. Dipl.-Soz.-Wiss.

Abteilungsleiter